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Starke Automobilbranche als Vorreiter des Aufschwungs

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Die Spatzen pfeifen es von den Dächern: Der deutschen Wirtschaft geht es besser. Unter den Branchen, die den Umschwung eingeleitet haben, gehörte die Automobilindustrie zu den Vorreitern.

Als 2005 das Wirtschaftswachstum in Deutschland noch bei 0,9 Prozent lag, stiegen die Umsätze der Automobilbranche bereits um 4 Prozent, um 2006 noch einmal um 7,7 Prozent zu wachsen.

Die deutschen Autobauer haben in den vergangenen zehn Jahren ihre Umsätze verdoppelt. Damit avancierte die Branche zum wichtigsten deutschen Industriezweig. Heute trägt sie fast 20 Prozent zur industriellen Gesamtproduktion bei. Mit Umsätzen in Höhe von 254 Milliarden EUR erwirtschaftete sie 11 Prozent des deutschen Bruttosozialprodukts des Jahres 2006.

Hersteller wie Daimler, BMW und VW zählen zu den leistungsfähigsten Playern am Weltmarkt. Längst zieht sich die Wertschöpfungskette dieser Unternehmen durch viele Volkswirtschaften; deutsche Autohersteller produzieren in nicht weniger als 23 Ländern rund um den Globus. 2006 wurden weltweit über 13,8 Millionen Kraftfahrzeuge deutscher Marken produziert (einschließlich Chrysler), davon allein 5,8 Millionen in Deutschland. Damit ist Deutschland nach Japan (11,5 Mio. Fahrzeuge) und USA (11,3 Mio.) der drittgrößte Autohersteller der Welt.

Wachsende Exporte, geringe Nachfrage im Lande

2006 exportierte Deutschland 4,2 Millionen Autos, das war ein Zuwachs von 2,5 Prozent. Die hohen Exportzahlen spiegeln nicht zuletzt die Spitzenposition deutscher Marken wie Mercedes, BMW, Porsche und Audi im Premium-Segment wider. In jüngerer Zeit trägt auch die weltweit starke Nachfrage nach deutschen Dieselfahrzeugen deutlich zum Exportzuwachs bei. 

Und wie sieht es mit dem deutschen Markt aus? Schließlich heißt es nicht ganz zu Unrecht, das Auto sei „des Deutschen liebstes Kind“. Dennoch waren die PKW-Absätze in Deutschland lange Jahren rückläufig. Selbst aggressive Discount-Aktionen konnten den Händlern in der Vergangenheit nicht helfen, den Autoabsatz signifikant zu steigern.

Aber auch hier hat sich eine Trendwende vollzogen. 2006 gab es einen Zuwachs bei den Neuzulassungen von 4,4 Prozent, der nicht zuletzt durch Autokäufe von Unternehmen zustande kam. Generell wird dieser Markt immer wichtiger. Während vor zehn Jahren nur jeder dritte PKW von Firmen gekauft wurde, geht heute bereits jeder zweite Neuwagen an ein Unternehmen.  

Starke Autobanken

Die deutschen Autobanken haben in den vergangenen zehn Jahren mehrfach zweistellige Zuwächse verzeichnen können. Im Jahre 2005 waren drei von vier Neuwagen entweder geleast oder kreditfinanziert. Die Banken und Leasing-Unternehmen der Hersteller sind mit über 60 Prozent Marktanteilen die Hauptakteure in diesem Geschäft. Das geht in Deutschland auf eine lange Tradition zurück: Die erste herstellergeführte Autobank wurde vor 80 Jahren gegründet.

2006 brachten die Autobanken der Hersteller insgesamt über zwei Millionen Neu- und Gebrauchtfahrzeuge durch Finanzierung oder Leasing auf die Straße. Rückgänge bei Leasingverträgen, die mit der Mehrwertsteuererhöhung Anfang 2007 zusammenhängen, wurden durch ein deutliches Wachstum bei Finanzierungsprodukten ausgeglichen. Während die Anzahl der Leasingverträge mit 739.000 Stück um 9,7 Prozent rückläufig war, stieg die Zahl der abgeschlossenen Finanzierungsverträge um 6,6 Prozent auf nunmehr 1,3 Millionen Einheiten an.

Die Zukunft dieses Marktes hängt weitgehend von der wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland und weltweit ab. Unabhängig davon werden Deutsche auch in Zukunft alle paar Jahre ihre alten Autos gegen neue austauschen – was dem Gebrauchtwagenmarkt zugute kommt. Man kann davon ausgehen, dass auch die Gebrauchtwagenhändler ihre Kunden künftig zunehmend mit Leasing- und Finanzierungsangeboten locken werden.

Risikomanagement ist und bleibt vor diesem Gesamthintergrund eines der wichtigsten Themen für Banken und Finanzdienstleister, zumal nicht klar ist, ob der derzeitige Aufschwung Bestand haben wird. Die Zahl der Firmeninsolvenzen geht zwar immer weiter zurück; dafür gibt es bei den Privatinsolvenzen dramatische Zuwächse. Gleichzeitig gewinnt die Betrugsprävention eine immer größere Bedeutung, zumal betrügerische Praktiken wie die Falschangabe von Konsumentendaten oder der Identitätsdiebstahl nur schwer zu erkennen und nachzuweisen sind.

Vor diesem Problemhintergrund waren Autobanken seit jeher die Vorreiter bei der Implementierung und dem Einsatz automatisierter Entscheidungssysteme. Und sie sind es bis heute: Bis zu 80 Prozent aller Kredite werden im Rahmen eines intelligenten Risikomanagements von zuverlässigen Systemen vergeben, die Scoring und Kreditpolitik in Entscheidungen umsetzen. Die technologische Entwicklung geht dahin, dass Kredit- und Leasingentscheidungen immer genauer auf den individuellen Antragsteller zugeschnitten und damit immer profitabler werden.

Rainer Woidich - Experian Decision Analytics, Deutschland

(1) VDA  - Verband der Automobilindustrie (www.vda.de)

(2) AKA - Arbeitskreis der Banken und Leasinggesellschaften derAutomobilwirtschaft (www.autobanken.de)

Originally featured in Motor Finance , January 2007

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